Darmbakterien als möglicher Risikofaktor für Typ-2-Diabetes

Fugmann M, Breier M, Rottenkolber M, Banning F, Ferrari U, Sacco V, Grallert H, Parhofer KG, Seissler J, Clavel T, Lechner A. The stool microbiota of insulin resistant women with recent gestational diabetes, a high risk group for type 2 diabetes. doi: 10.1038/srep13212.

Nature Scientific Reports. August 17, 2015

Die Top 6 Bakterienfamilien der Darmflora. Jeder Balken steht für eine Studienteilnehmerin. Verglichen werden insulinresistente Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten (pGDM-Gruppe), mit Kontrollteilnehmerinnen (controls). Quelle: HMGU

Im menschlichen Darm leben mehrere Billionen Bakterien, die das „Darmmikrobiom“ bilden. Es ist bereits bekannt, dass sich das Darmmikrobiom von Menschen mit Typ-2-Diabetes von dem gesunder Personen unterscheidet. Aber wie sieht es bei jungen Erwachsenen aus, die zwar ein hohes Diabetesrisiko haben, aber noch nicht erkrankt sind? Dieser Frage gingen Münchner DZD-Forscher nach. Sie untersuchten insulinresistente Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes hatten und eine Hochrisikogruppe für Typ-2-Diabetes darstellen, und verglichen diese mit Kontrollteilnehmerinnen.

Dabei zeigte sich, dass ein aus der Familie Prevotellaceae dominiertes Mikrobiom in der Risikogruppe signifikant häufiger vorkam. Dies ist der erste Hinweis auf ein verändertes Darmmikrobiom bereits bei jungen Risikopersonen. Prevotellaceae sind sogenannte Mucin-degradierende Bakterien, d. h. sie bauen die schützende Schleimschicht des Darms ab. Eine durch bakterielle Enzyme verminderte Barrierefunktion der Darmschleimhaut und eine nachfolgende entzündliche Reaktion mit verminderter Insulinempfindlichkeit könnten als Erklärungsmodell für den Zusammenhang zwischen Prevotellaceae und Diabetes dienen. Die aktuelle Untersuchung ist allerdings zu klein, um definitive Aussagen zu machen. Darüber hinaus kann sie aufgrund ihres Studiendesigns keine kausalen Zusammenhänge belegen. In Nachfolgeuntersuchungen sollen deshalb die jetzt vorliegenden Ergebnisse überprüft und weiter vertieft werden. Da das Darmmikrobiom unter anderem durch die Ernährung beeinflusst werden kann, könnte es prinzipiell ein sehr guter Weg sein, um Typ-2-Diabetes bei Risikopersonen vorzubeugen.

Originalpublikation:
Fugmann M, Breier M, Rottenkolber M, Banning F, Ferrari U, Sacco V, Grallert H, Parhofer KG, Seissler J, Clavel T, Lechner A. The stool microbiota of insulin resistant women with recent gestational diabetes, a high risk group for type 2 diabetes. doi: 10.1038/srep13212. Nature Scientific Reports. August 17, 2015

Link zur Fachpublikation:
http://www.nature.com/articles/srep13212