Erhöhte Glucagon-Ausschüttung keine unabdingbare Voraussetzung für Diabetes

Nur bei einer Untergruppe des Typ-2-Diabetes (T2D) sind die Glucagon-Spiegel erhöht. Darauf deutet eine Studie von DZD-Forscherinnen und -Forschern aus München hin. Die Wissenschaftler untersuchten die Glucagon-Spiegel bei jungen Frauen mit unterschiedlich hohem Risiko für T2D während eines oralen Glukosetoleranztests*. Dabei entdeckten sie vier Muster der Glucagon-Dynamik, die nicht mit den metabolischen Phänotypen übereinstimmten. Die Ergebnisse wurden jetzt im ´J Clin Endocrinol Metab` veröffentlicht.

Vier Muster von Glucagon-Kurven während der oralen Glukosetoleranztestung. (Farben: blau = Kontrollen, grau = stoffwechselgesunde Hochrisiko, rot = Prädiabetes/Diabetes). Quelle: JCEM/Gruppe Lechner

Glucagon ist der Haupt-Antagonist von Insulin. Doch welche Rolle das Hormon bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielt, ist noch in der wissenschaftlichen Diskussion. Ein Forscher-Team verglich die Glucagon-Ausschüttungen bei jungen Frauen mit drei unterschiedlichen metabolischen Phänotypen während eines oralen Glukosetoleranztests. Die Gruppen waren: Eine gesunde Kontrollgruppe (93 Frauen), stoffwechselgesunde Frauen nach einem Schwangerschaftsdiabetes (Hochrisikogruppe, 121 Frauen) und 71 Frauen, bei denen bereits ein Diabetes beziehungsweise ein Prädiabetes neu diagnostiziert wurde.

In der Analyse zeigte sich, dass es vier Muster der Glucagon-Dynamik gibt. Allerdings stimmten die gefundenen Muster nicht mit den drei unterschiedlichen Stoffwechselgruppen überein. Zwar trat ein Muster – erhöhte Nüchtern-Glucagon-Werte mit einer verzögerten Glucagon-Unterdrückung – besonders häufig bei Frauen mit Diabetes und Prädiabetes auf (21 Prozent). Aber auch bei 8 Prozent der gesunden Frauen wurde dieses Cluster entdeckt. Umgekehrt wies die Mehrheit der Frauen aus der Gruppe Prädiabetes/Diabetes (n = 39; 55%) unauffällige Glucagon-Werte, mit einem niedrigem Nüchtern-Glucagon-Wert und einer schnellen Unterdrückung, auf. Abgesehen davon fanden sich in dem Cluster mit hohem Nüchtern-Glucagon und schlechter Glucagon-Unterdrückung vermehrte Anzeichen des Metabolischen Syndroms (hoher Blutdruck, viszerale Adipositas und hohe Blutlipide).

Die Studien-Autoren gehen daher davon aus, dass eine erhöhte Glucagon-Ausschüttung in einer Untergruppe zur Entwicklung eines Typ-2-Diabetes beitragen kann, dies jedoch keine unabdingbare Voraussetzung für die Diabetes-Entstehung ist.

Die Studie des DZD, des Klinikums der Universität München und des Helmholtz Zentrums München ist in der März-Ausgabe von `J Clin Endocrinol Metab´ erschienen.

Originalpublikation:
Gar, C. et al. (2018): Patterns of Plasma Glucagon Dynamics Do Not Match Metabolic Phenotypes in Young Women. J Clin Endocrinol Metab; DOI: 10.1210/jc.2017-02014

 

*Hintergrundinformation:
Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)
Der oGTT liefert Hinweise auf die Fähigkeit des Körpers, eine definierte Menge an Glukose innerhalb eines bestimmten Zeitraumes abzubauen. Dazu werden 75 g Glukose als Zuckerlösung auf nüchternen Magen getrunken. Im Anschluss wird in bestimmten Abständen Blut entnommen und auf den Zuckergehalt hin untersucht.