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News

DZD Symposium "Insulin, Adipokine und Gehirn" auf dem Diabetes Kongress 2012

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Niels Birbaumer, Universität Tübingen; Prof. Dr. Matthias Tschöp und Prof. Dr. Martin Hrabé de Angelis, Helmholtz Zentrum München; Prof. Dr. Andreas Fritsche und Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Ulrich Häring; Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen (v.l.n.r.)

 

Das Gehirn spielt für unser Körpergewicht eine entscheidende Rolle indem es unser Essverhalten steuert. Die nötigen Informationen über den aktuellen Energiestatus des Körpers erhalten die grauen Zellen vom Insulin, von Hormonen aus dem Fettgewebe und vielen weiteren Botenstoffen. Im Symposium „Insulin, Adipokine und Gehirn“ des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) auf der Frühjahrstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) stand die Funktion des Gehirns und seiner Botenstoffe bei der Entstehung von Übergewicht und in Folge Diabetes im Mittelpunkt. Unter der Leitung der DZD Vorstände Prof. Martin Hrabé de Angelis, Helmholtz Zentrum München, und Prof. Hans-Ulrich Häring, Universität Tübingen, wurden neueste Forschungsergebnisse am 18. Mai 2012 in Stuttgart präsentiert.


Beginnt Übergewicht im Kopf?

Dieser Frage gingen führende Köpfe der Diabetesforschung und Neurowissenschaften auf den Grund. Mehr als 450 Zuhörer verfolgten mit großem Interesse die neuen Erkenntnisse zur Rolle des Gehirns im Stoffwechsel auf dem Symposium des DZD.


Prof. Häring unterstrich die Bedeutung des neuen Ansatzes in der Diabetesforschung: „Der Typ-2-Diabetes hat seinen Ursprung auch im Kopf. Das Gehirn spielt für unser Essverhalten und damit verbundene Krankheiten wie den Typ-2-Diabetes eine entscheidende Rolle.“ Hormone und andere Botenstoffe sowie das Nervensystem benachrichtigen die „grauen Zellen“ laufend über die aktuellen Energiereserven und deren Verteilung im Körper. Diesen Informationen entsprechend steuert das Gehirn die Nahrungsaufnahme und den Energieverbrauch. Eine Fehlregulation in diesem komplexen Zusammenspiel kann zu übermäßigen Essen führen. Das daraus resultierende Übergewicht ist eine der Ursachen für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes.
„Im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung herrschen großartige Bedingungen, diese vielschichtigen Forschungsfragen interdisziplinär anzugehen. Es eröffnen sich völlig neue Therapieoptionen für eine personalisierte Behandlung des Patienten.“ betonte Prof. Hrabé de Angelis.

Aktives Fettgewebe
Entgegen jahrzehntelanger Annahme dient weißes Fettgewebe dem Körper nicht nur als Energiespeicher, sondern es ist auch aktiv an der Regulation des Stoffwechsels beteiligt. Dies erfolgt durch die Freisetzung einer Vielzahl von Hormonen, die das Gehirn beeinflussen. Zu den bekanntesten Vertretern dieser Botenstoffe, den sogenannten Adipokinen, zählt Leptin, das das Hungergefühl hemmt. Neben Leptin stellte Prof. Hendrik Lehnert von der Universitätsklinik Schleswig-Holstein, Campus Lübeck in seinem Symposiumsbeitrag Nesfatin-1 und FGF-1 als weitere Adipokine vor, die das Sättigungsgefühl beeinflussen.

Stättigungsfaktor Insulin

Insulin wirkt nicht nur in Muskel, Leber und Fett, sondern auch im Gehirn. Prof. Andreas Fritsche, vom DZD-Partnerinstitut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen, erklärte in seinem Vortrag „Insulin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, es beeinflusst über direkte Effekte auf bestimmte Hirnregionen die Steuerung des Stoffwechsels und auch das menschliche Verhalten.“ Nach dem Essen sendet die erhöhte Konzentration von Insulin dem Körper Gehirn das Signal „satt“ und die Kalorienzufuhr soll so beendet werden. Bei älteren Personen bzw. bei Menschen mit Übergewicht kann das Insulin im Gehirn nicht mehr so gut wirken, man spricht von einer Insulinresistenz. Ursache können genetische Faktoren, aber auch erhöhte Blutfettwerte sein.

Wie unsere Ernährung das Gehirn beeinflusst

Eine fettreiche Ernährung führt zu Modifikationen in Gehirnregionen, die den Energiehaushalt des Körpers steuern. Bei Mäusen traten in Folge von einer mehrtägigen Fütterung von einem hohen Anteil an Fett entzündliche Prozesse im Hypothalamus auf, die zu einer Veränderung des Nervengewebes in diesen Hirnregionen führten. Körperliche Bewegung führte zu einer Verbesserung. Prof. Tschöp vom DZD-Partnerinstitut Helmholtz Zentrum München meint „Unsere Entdeckungen werfen ein neues Licht auf den Einfluss unserer Ernährung auf das Gehirn.“

Essverhalten neu erlernt

Ein neuartiges Therapiekonzept für übergewichtige Personen stellte auch der Neurowissenschaftler Prof. Niels Birbaumer von der Universität Tübingen vor. Er zeigte in einem spannenden Vortrag, dass man Hirnareale, die für die Nahrungsaufnahme verantwortlich sind, selbst steuern kann: Man zeigt den Personen Bilder über den Grad des Blutflusses in bestimmten Gehirnregionen und belohnt sie für Änderungen. So kann fast jeder lernen, die Durchblutung aktiv zu beeinflussen. Interessanterweise können Übergewichtige ihre Hirnregionen, die Lust auf Essen und ähnliches steuern, besser regulieren als Personen mit normalem Gewicht. Aber sie verbinden (assoziieren) dies nicht mit anderen Hirnregionen, die am Essverhalten beteiligt sind und dadurch haben sie keinen Verhaltenserfolg.

Die intensive Diskussion nach den Vorträgen machte deutlich, wie wichtig und zukunftsweisend dieses Thema für die Diabetesforschung ist.

Eine Pressemitteilung zum Symposium „Insulin, Adipokine und Gehirn“ des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) auf der Frühjahrstagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) finden Sie hier.

Pressefotos zum Symposium finden Sie hier.